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319 880 Sandor Marai

Die Glut
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Nach einundvierzig Jahren erwartet der zurückgezogen lebende General den Besuch seines Jugendfreundes Konrád. Henrik und Konrád waren, trotz ihrer unterschiedlichen sozialen Herkunft, in der Schule und beim Militär unzertrennlich. Auch später, als Henrik die schöne Krisztina zur Frau nimmt, scheint ihre Freundschaft harmonisch. Bis zu dem Tag, als die beiden Männer zur Jagd gehen und Henrik spürt, wie sein Freund auf ihn anlegt und zielt. Mit diesem Ereignis ändert sich das Leben der drei.
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Daten
223 Seiten - Piper
Beschreibung Ungarn, zur Zeit des Zerfalls des K.u.K.-Reiches. Nach 41 Jahren trifft Henrik seinen engsten Jugendfreund Konrad wieder. Henrik will endlich die Wahrheit wissen: Welche Rolle hatte Krisztina, Henriks schöne junge Frau, für sie beide damals gespielt? Einen einzigen Abend, eine einzige Nacht dauert das Treffen der beiden alten Männer, die mit peinigender Offenheit den Fragen nach Leidenschaft und Treue, nach Wahrheit und Lüge auf den Grund gehen.
 Leseprobe "Am Vormittag hielt sich der General lange in seinen Kellereien auf. Er war in der Morgenfrühe mit seinem Winzer hingegangen, um nach zwei Fässern zu sehen, in denen der Wein zu gären begonnen hatte. Als er mit dem Abfüllen fertig war und nach Hause kam, war es schon elf Uhr vorbei. Zwischen den Säulen der Veranda, die von den feuchten Steinplatten moderig roch, stand sein Jäger und überreichte ihm einen Brief. 'Was willst du?' fragte der General unwirsch. Er schob sich den Strohhut, dessen breite Krempe sein rotes Gesicht beschattete, aus der Stirn. Schon seit etlichen Jahren öffnete und las er keine Briefe mehr. Die Post wurde im Büro des Gutsverwalters von einem der Angestellten aufgemacht und sortiert. 'Das hat ein Bote gebracht', sagte der Jäger und stand stramm. Der General erkannte die Schrift, nahm den Brief und steckte ihn in die Tasche. Er trat in die kühle Vorhalle und reichte dem Jäger wortlos Stock und Hut. Aus seiner Zigarrentasche holte ereine Brille hervor, stellte s ich ans Fenster und begann im Licht, das durch die Ritzen der Rolläden hereinsickerte, den Brief zu lesen. 'Warte', sagte er über die Schulter hinweg, als der Jäger mit Stock und Hut gehen wollte. Den Brief stopfte er sich in die Tasche. 'K lm n soll auf sechs Uhr anspannen. Den Landauer, denn es gibt Regen. Und er soll die Paradelivree anlegen. Du auch', sagte er mit unerwartetem Nachdruck, als hätte ihn plötzlich etwas erbost. 'Und alles auf Hochglanz. Wagen und Geschirr sollen unverzüglich geputzt werden. Die Livree anlegen, hast du verstanden? Und dann setzt du dich neben K lm n auf den Bock.' 'Jawohl, gnädiger Herr', sagte der Jäger und schaute seinem Herrn gerade in die Augen. 'Auf sechs Uhr.' 'Um halb sieben fahrt ihr los', sagte der General und bewegte lautlos die Lippen, als zählte er. 'Du meldest dich beim Weißen Adler und sagst nur, ich hätte dich geschickt, und der Wagen für den Herrn Hauptmann sei da. Wiederhole.' Der Jäger wiederholte. D§09§araufhin hob der General die Hand, als wäre ihm noch etwas eingefallen, und blickte zur Decke. Doch dann sagte er nichts, sondern ging in den ersten Stock hinauf. Der Jäger, in Habachtstellung erstarrt, sah ihm glasigen Blickes nach und wartete, bis die untersetzte, breitschultrige Gestalt hinter der Kehre der steinernen Balustrade verschwunden war. Der General ging in sein Zimmer, wusch sich die Hände und trat an sein schmales, hohes Stehpult, das mit tintenfleckigem grünen Filz bezogen war und auf dem Federn, Tinte und, millimetergenau aufeinandergestapelt, Hefte lagen, wachstuchbezogene mit Pepitamuster, wie sie die Schüler für ihre Aufgaben verwenden. In der Mitte des Pults stand eine Lampe mit grünem Schirm, die der General anschaltete, da es im Zimmer dunkel war. Hinter den geschlossenen Läden, im vertrockneten, verdorrten, versengten Garten, tobte der Sommer in einem letzten Auflodern, wie ein Brandstifter, der in sinnloser Wut die Felder anzündet, bevor er sich davonmacht. Der General nahm den Brief hervor, glättete das Blatt sorglich und las im starken Licht, die Brille auf der Nase, die geraden kurzen Zeilen mit den spitzen Buchstaben. Die Arme verschränkte er auf dem Rücken. An der Wand hing ein Kalender mit faustgroßen Datumsziffern. Vierzehnter August. Der General blickte zur Decke und rechnete. Vierzehnter August. Zweiter Juli. Er rechnete aus, wieviel Zeit seit einem langverflossenen Tag und dem heutigen vergangen war. Einundvierzig Jahre, sagte er schließlich halblaut. In letzter Zeit sprach er laut, auch wenn er allein im Zimmer war. Vierzig Jahre, sagte er dann verwirrt. Einem Schüler gleich, der über einer schwierigen Lektion durcheinandergerät, errötete er, legte den Kopf in den Nacken und schloß die tränenden Augen. Sein Hals über dem maisgelben Jackenkragen schwoll rot an ..."
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(Ausgezeichnet) Rezensiert von Ilona Lampe (21.03.2008)
Unter der freundlichen Oberfläche lauert ein Abgrund. Tiefgründig und erschreckend!
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