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878 308 R. Karlsch

Uran für Moskau
Um im atomaren Wettrüsten gleichziehen zu können, benötigte die Sowjetunion nach 1945 dringend Uran. Dies fand sich im besetzten Teil Deutschlands. Eine sowjetische Aktiengesellschaft entstand, an der später auch die DDR beteiligt wurde: die SDAG Wismut. Das Unternehmen entwickelte sich bis Ende der 1960er Jahre zum drittgrößten Uranproduzenten der Welt. Nach 1977 geriet der Uranbergbau jedoch in die Krise. Landschaften und Siedlungen waren rücksichtslos der Erzförderung geopfert worden, Tausende Bergleute an Lungenkrebs und Silikose erkrankt. Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl rüttelte nach 1986 schließlich auch die Öffentlichkeit wach.
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Daten
280 S., 13 x 20 cm, kart. (CH. Links)
Beschreibung Den Atomwaffenplänen der UdSSR nach dem Zweiten Weltkrieg mangelte es vor allem an der Grundlage: Uran. Da sich Uranvorkommen in der sowjetischen Besatzungszone fanden, wurde 1947 im Erzgebirge die Wismut AG gegründet. Das Unternehmen wuchs rasant und war Ende der 1960er Jahre der drittgrößte Uranproduzent der Welt. Die SDAG Wismut hatte sich zu einem Staat im Staate mit weitgehend autarken Strukturen, ausgebautem Sozialsystem und einer hoch motivierten Belegschaft entwickelt. Nach 1977 geriet der Uranbergbau jedoch in die Krise. Landschaften und Siedlungen waren rücksichtslos dem Bergbau geopfert worden, tausende Bergleute an Lungenkrebs und Silikose erkrankt. Auch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 rüttelte die Öffentlichkeit wach. Die DDR-Führung beklagte sich in Moskau außerdem wegen steigender Kosten. Dennoch beendete erst 1991 ein Vertrag zwischen Sowjetunion und Bundesrepublik die Tätigkeit der Wismut AG. In die Sanierung ihrer Hinterlassenschaften flossen bis 2006 rund 6,5 Milliarden Euro. Rainer Karlsch erzählt die Geschichte des Uranbergbaus in Ostdeutschland und spannt dabei den Bogen vom vereinzelten Pechblende-Abbau im späten 19. Jahrhundert über die industrielle Großproduktion bis zum Niedergang der SDAG Wismut. Der Kalte Krieg als Antrieb für den rigorosen und umfangreichen Abbau bleibt dabei ebenso im Blick wie das eigene Sozialgefüge des Unternehmens. Der Band leistet mit der Problematisierung der Langzeitfolgen für Menschen und Umwelt auch einen wichtigen Beitrag zur anhaltenden Diskussion über die Zukunft des Uranabbaus.
 Autorenporträt Rainer Karlsch, Jg. 1957, Studium der Wirtschaftsgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, dort 1982-91 Assistent am Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte, 1986 Promotion. 1992-94 Mitarbeiter der Historischen Kommission zu Berlin, 1995-98 Mitarbeiter eines DFG-Schwerpunktprogramms. Seit 1999 Mitarbeiter am Institut für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsgeschichte der FU Berlin.
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