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919 813 C. Kleber

Amerikas Kreuzzüge - Wohin treibt die Weltmacht?
Kleber konfrontiert die wohlfeilen Anklagen gegen Bushs Amerika mit einem differenzierten, kritischen Bild der USA.
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Daten
304 S., 13 x 20 cm, kart. (Pantheon) (M)
Beschreibung Das amerikanische Sendungsbewusstsein ist ins Zwielicht geraten. Weltweit lassen die Kritiker aufhorchen. Ihre heftigen Attacken gegen Gods own Country, das seine Wertvorstellungen ungefragt anderen Ländern und Kulturen aufdrängt - und sei es militärisch - werden begierig aufgegriffen. Die zentrale These des Autors (er erlebte vier US-Präsidenten und berichtete aus allen 50 US-Staaten): Die von der Bush-Administration festgeschriebene Politik des vorbeugenden, notfalls militärischen Handelns ist tief verankert im Bewusstsein der für den Weltfrieden "unverzichtbaren Nation" - ein Begriff, der von Bill Clintons Außenministerin Madeleine Albright geprägt wurde.Amerikas Kreuzzüge sind verwurzelt in den historischen Erfahrungen mit den Konflikten des 20. und 21. Jahrhunderts. Sei es der schwelende Atomkonflikt zwischen Pakistan und Indien, seien es die Terrorregime in Afghanistan und im Irak, allein Amerika ist rund um den Globus aufgestellt, um notfalls überall dort eingreifen zu können, wo seine Interessen gefährdet sind. Diese Alleinstellung wird auch in Zukunft den Anspruch auf eigenständiges Handeln begründen. Nur wer diesen Rahmen kennt, wer versteht, was die Amerikaner wirklich wollen, wie sie denken und fühlen, kann amerikanische Politik jenseits eines vollmundigen Anti-Amerikanismus beurteilen.Claus Kleber leistet hier mit seiner differenzierten Bestandsaufnahme der Befindlichkeit einer schwierigen Weltmacht einen herausragenden Beitrag.
 Autorenporträt Claus Kleber, Jahrgang 1955, ist Leiter und Moderator des ZDF-"heute journals". Sein journalistischer Werdegang führte ihn insbesondere in den angelsächsischen Raum. Er leitete die ARD-Studios in London und Washington, lebte 15 Jahre in Amerika und berichtete aus allen US-Bundesstaaten.
 Leseprobe Um es gleich zu sagenAmerika - das ist für mich nicht in erster Linie ein politischer Begriff. Eher ein Zauberwort, das Erinnerungen wachruft. An das Nordufer des Grand Canyon bei Sonnenuntergang zum Beispiel. Tief unter uns liegt das silberne Band des Colorado. Die Touristensaison ist längst zu Ende, Schnee liegt in der Luft, und es ist so still, dass wir regungslos bleiben, damit das Rascheln der Windjacken nicht stört. In einem einzigen Augenblick konzentriert sich die ganze Schönheit dieses Kontinents. Erinnerungen an New York am frühen Sonntagmorgen, eine Fahrt im alten Cabriolet die menschenleere Fifth Avenue hinauf zum golden schimmernden PanAm-Building, das stumme Staunen unserer Kinder im Rücken.Erinnerungen an hundert Begegnungen mit der einzigartigen Mischung aus Pioniergeist und kindlichem Glauben, die nichts von Hindernissen wissen will und alles für möglich hält. An einen strahlenden jungen Präsidenten, der es wagte, nach jämmerlich gescheiterten Raketenexperimenten den Blick nach vorn zu richten und zu sagen: "In weniger als neun Jahren sind wir auf dem Mond." An eine Nation, die ihn dafür nicht auslachte, sondern ihn bewunderte und ihm folgte.Erinnerungen an ein Land, in dem ein Bettler in Philadelphia mir erklärte: "Das System ist schon in Ordnung. Daran, dass ich es nicht geschafft habe, sind doch nicht die anderen schuld." Und an einen Obdachlosen in Miami, einen sehr alten Mann, der Zeigefinger und Daumen aneinander legte, mir tief in die Augen schaute und sagte: "Siehst du das? Ich kann mich bewegen, wie ich möchte. Meine Hände tun, was ich ihnen sage. Wir rasen mit atemberaubender Geschwindigkeit um die Sonne und mit ihr durch den Kosmos. Ich habe es warm, ich finde jede Nacht einen Platz zum Schlafen, das Leben ist wundervoll."Noch immer habe ich für mich kein endgültiges Urteil gefällt über dieses Land, das hierzulande als erbarmungslos gilt und doch, wie ich gesehen habe, oft besser für seine Behinderten, für seine sozial Schwachen und für seine großen Begabungen sorgt, als uns das gelingt; das immer wieder eine treibende Kraft für das Gute war, obwohl es auch irrte und von seinen Führern getäuscht wurde; das in seinen Südstaaten, in seinen Städten und im Ausland, von Vietnam bis San Salvador, von Santiago de Chile bis Bagdad, immer wieder schreckliche Fehler machte - die meisten durch das Handeln, während die Fehler meines Landes in den letzten Jahrzehnten meist durch die Angst vor dem Handeln entstanden.Ich will die Beweggründe einer Nation beschreiben, die es nun unternimmt, die Welt nach ihrem Vorbild zu gestalten, weil sie tatsächlich daran glaubt, dass die Welt damit besser wird. Die zentrale Figur dieses dramatischen Kapitels amerikanischer Geschichte ist "Bush 43", wie sie den 43. Präsidenten der USA auf den Fluren des Weißen Hauses nennen. Ich bin ihm viele Male begegnet, aber nur zweimal zu einem persönlichen Gespräch. Eines fand im Frühjahr 2002 statt, mit allen protokollarischen Attributen eines Präsidenteninterviews im Weißen Haus. Es war ein kritischer Moment. Seine Armee traf gerade die letzten Vorbereitungen für den Angriff auf den Irak. Der Oberkommandierende der Weltmacht unternahm gerade noch einen Versuch, Verbündete für seinen Krieg zu finden. Es war also ein wichtiges Interview.Rückblickend glaube ich heute aber, dass ich den besten Eindruck vom Charakter dieses Mannes in einem viel weniger eindrucksvollen Rahmen gewonnen habe: bei meiner ersten Begegnung mit ihm, in einem Wortwechsel, den ich damals gar nicht so wichtig fand. Es war im Gang seines Flugzeugs, im Wahlkampf 2000. Wir sprachen über die Todesstrafe in Amerika, die er energisch befürwortet und die er damals als Gouverneur von Texas ohne Nachsicht vollstrecken ließ. "Ich glaube an diese Strafe, weil sie abschreckend wirkt und damit Verbrechen verhindert", erklärte er mir. Ich widersprach ihm: "Governor, die Wissenschaft belegt das Gegenteil. Es gibt keine Beweise
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