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Kriegsenkel - Die Erben der vergessenen Generation (Sonderausgabe), Sabine Bode
Kriegsenkel - Die Erben der vergessenen Generation (Sonderausgabe), Sabine Bode


934 055    Sabine Bode


Kriegsenkel - Die Erben der vergessenen Generation (Sonderausgabe)


Als Friedenskinder sind sie in den Zeiten des Wohlstandes aufgewachsen. Es hat ihnen an nichts gefehlt. Oder doch? Die Generation der zwischen 1960 und 1975 Geborenen hat mehr Fragen als Antworten.



Preis € 9,95
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Weitere Titel von Sabine Bode

Daten
(SA) 304 S. (Klett-Cotta) Taschenbuchausgabe

Kurzbeschreibung
Über die Kinder der Kriegskinder - das Standardwerk in günstiger broschierter Ausgabe
Die Kriegsvergangenheit zeigt auch heute noch in vielen Familien Spuren, bis in die zweite und dritte Generation hinein. Jetzt meldet sich die Generation der Kinder der Kriegskinder zu Wort. Sie sind in den Zeiten des Wohlstands aufgewachsen. Noch ist es ein völlig neuer Gedanke, sich vorzustellen, ihre tief sitzende Verunsicherung könnte von den Eltern stammen, die ihre Kriegserlebnisse nicht verarbeitet haben.

Beschreibung
Die Kriegsvergangenheit zeigt auch heute noch in vielen Familien Spuren, bis in die zweite und dritte Generation hinein. Jetzt meldet sich die Generation der Kinder der Kriegskinder zu Wort. Ein Buch, das den "Kriegsenkeln" hilft, sich selbst besser zu verstehen.
Als Friedenskinder sind sie in den Zeiten des Wohlstandes aufgewachsen. Es hat ihnen an nichts gefehlt. Oder doch? Die Generation der zwischen 1960 und 1975 Geborenen hat mehr Fragen als Antworten: Wieso haben viele das Gefühl, nicht genau zu wissen, wer man ist und wohin man will? Wo liegen die Ursachen für diese diffuse Angst vor der Zukunft? Weshalb bleiben so viele von ihnen kinderlos? Noch ist es für sie ein völlig neuer Gedanke, sich vorzustellen, ihre tief sitzende Verunsicherung könnte von den Eltern stammen, die ihre Kriegserlebnisse nicht verarbeitet haben. Ist es möglich, dass eine Zeit, die über 60 Jahre zurückliegt, so stark in ihr Leben als nachgeborene Kinder hineinwirkt?

Autorenporträt
Sabine Bode, geboren 1947, war Redakteurin beim Kölner Stadt-Anzeiger. Seit 1977 lebt sie als freie Journalistin und Autorin in Köln und arbeitet überwiegend für die Kulturredaktionen des Hörfunks des WDR und NDR.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort und Dank
1. KAPITEL Gespenster aus der Vergangenheit
Familienweihnachten als Pflichtveranstaltung
Klagen über Eltern
Überdosis NS -Geschichte
Flüchtlingshintergrund
Kein Mut zur Familiengründung
Die Kriegsenkel melden sich zu Wort
Wie aus Tätern Opfer wurden
Woher kommt der "Nebel"?
Eine ostdeutsche Geschichte
Das Nachbeben
2. KAPITEL Wem es zu gut geht, den bestraft das Leben
Ein Seminar für Kinder der Kriegskinder?
Sein Vater brauchte Dauerstress
Auf der Suche nachVorbildern
Woher kam der neurotische Umgang mit Geld?
Kapitulation kurz vor dem Examen
Die Mutter gönnte ihm keine Geheimnisse
Das Massaker von Aussig an der Elbe
Großvaters "verlorenes Paradies"
Ich muss keine Frau mehr retten
3. KAPITEL Die Burgfamilie
Freundliche und gut erzogene Töchter
Essstörungen
Zwei ungleiche Schwestern
Erfolgreiche Bogenschützin
Schulversagerinnen
Mama nahm alles hin
Dia gnose Bulimie
Ich bin doch deine Tochter, Mama!
4. KAPITEL Der lange Weg zur eigenen Identität
Ein Fest mit Bergmannstradition
Frisch verliebt
Du weißt gar nicht, wie gut du es hast
Als sie ihren fröhlichen Vater verlor
Ein fürsorglicher Ehemann
Was ist emotionale Offenheit?
Ein neues Ziel:Abitur
Der jugendliche Sohn rastet aus
Der letzte Schritt in die Freiheit
5. KAPITEL Die Spätzünderin
Ein Dauerproblem
Unsere Beziehung ist grottenschlecht.
Sie litt unter dem beruflichen Niveau
Erst Streit - dann drei Tage Schweigen
Tote Babys am Straßenran
Verwandte von den Nazis ermordet
6. KAPITEL Das Böse
Familienforschung im Fernsehen
Verletzte Integrität
Opa war doch ein Nazi
Vater und Sohn im Dauerstreit
"Nazis", " KZ " und " SS " - was ging mich das an?
Macht über den Vater
Lehrer in die Enge treiben
Tränen und Scheidung
Die Sache mit dem jüdischen Friedhof
Von Schandtaten wollte ich nichts hören
Genickschuss!
Ein einfacher Hilfsarbeiter.
Amerika - meine Rettung
Eine neue Familie
Die große Trauer
7. KAPITEL Sohn im Schatten
Marathon auf der Theaterbühne
Wenn Kinder eine leichte Beute sind Vergewaltigungen
... aber meine Seele war gestorben
Tabu Königsberg
Die Fassade einer intakten Ehe
Todesursache unbekannt
Familie auf dem Prüfstand
8. KAPITEL Der Wehrlose
Ein vielseitiger Autor
Misstrauen und Missgunst
Ein Versöhnungskind?
Er war ein Einzelgänger
Hohe moralische Ansprüche
Die Konkurrenz der Kranken
Eine unstillbare Sehnsucht nach Trost
9. KAPITEL Leben lernen
Ein empörter Brief
Mutter war furchtbar verklemmt
Eine übergroße Bescheidenheit.
Balkone wie Schießscharten
Sich mit Geld betäuben
Wie sich Schatten verflüchtigen
10. KAPITEL Kinderladen-Kinder
Ein Rückblick auf 1968 Ungereimtheiten
Was läuft bei ihr schief? Kinder, die alles dürfen
Der Wutanfall eines Zwergs
Adlig und antikapitalistisch
Die neuen Normen der WG
Eine Pubertät unter Beobachtung
Das Amerika-Desaster
Zwei Jahre ohne Kontakt zur Mutter
Ich habe meine Kindheit genossen
Zwei Wunder
11. KAPITEL Nebel im Kopf
Im Kinderbett kam die Angst
Zwangshandlungen
Neue Eltern braucht das Land!
Hinter dicken Mauern
Angst vor dem Atomkrieg
Schneller, die Russen kommen
Auch der Vater schien zu pubertieren
Selbstverletzungen einer Jugendlichen
Gewaltrausch während einer Therapiestunde
Folgenreiches Schwarz-Weiß-Muster
Die Kriegsängste der Mutter geträumt
12. KAPITEL Grenzen ziehen
Ein später Vater
Familienklima: "Eine stillstehende graue Sauce"
Aufwachsen ohne eigenes Zimmer
Meditation mit grauweißen Fliesen
Ein bisschen Punk
Der Fernseher bleibt an
Ich bin doch ihr Sohn!
Vorsicht - heiße Herdplatte!
Eine Tochter auf Distanz
Der Vater war noch im Krieg
Vorurteile ge gen über Polen und Russen
Alles, was schön und gut ist, wird zerstört
Ähnlichkeiten mit der eigenen Mutter
Des lieben Gottes Lieblingskind
Kein Kontakt mehr zu den Elte

Leseprobe
Flüchtlingshintergrund
Mein Buch "Die vergessene Generation. Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen" stieß bei den Kindern jener "vergessenen Generation", also den Kindern der Kriegskinder - vor allem Angehörige der 1960er Jahrgänge - auf große Resonanz. Wie in der Leserpost, aber auch auf Veranstaltungen zum Thema deutlich wurde, stammten ihre Eltern, Angehörige der dreißiger und vierziger Jahrgänge, überwiegend aus Flüchtlingsfamilien. Die Kriegsenkel machten mir gegen über deutlich, wie stark Mutter und Vater, ehemalige Flüchtlingskinder, durch Vertreibung und durch den Neubeginn in einer größtenteils feindseligen Umgebung Zeit ihres Lebens belastet blieben. Ich erfuhr von einem extremen Misstrauen, und dass sie nicht aufhörten, sich über die Zukunft existentielle Sorgen zu machen, auch dann, wenn sie ein gutes Auskommen hatten und gegen jedes Missgeschick versichert waren. Die Familiengeschichten bestätigten den wissenschaftlichen Befund von Andreas Kossert in seinem Buch "Kalte Heimat" mit gelebtem Leben: Das Bild von der rundum geglückten Integration der Vertriebenen nach 1945 ist ein Mythos. 1 An den Spätfolgen haben nicht selten auch die Nachkommen jener 14 Millionen Deutsche zu tragen, die nach Kriegsende ohne Heimat waren.
Auffallend oft hörte ich Kinder der Kriegskinder über sich sagen, ihnen fehle der feste Boden unter den Füßen. Dabei waren sie als Friedenskinder in den besten aller Zeiten aufgewachsen. Zumindest in Westdeutschland hatte es ihnen an nichts gefehlt. Oder doch? Es war für die meisten ein völlig neuer Gedanke, sich vorzustellen, ihr verunsichertes Lebensgefühl könnte von Eltern stammen, die sich nicht von ihren Kriegserlebnissen erholt hatten. War es möglich, dass eine Zeit, die nun schon über 60 Jahre zurücklag, so stark in ihr Leben als Nachgeborene hin einwirkte? Und wenn ja, warum wussten sie nichts davon?
Sie konnten sich nicht mit dem Bild identifizieren, das in den Medien über die Generation 40 plus und die "Baby-Boomer" verbreitet wird. So ermittelte eine im Jahr 2008 von der Wochenzeitschrift "Stern" in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage "eine zufriedene Generation". In der Illustrierten wurde ausdrücklich darauf hingewiesen: "Jeder zweite sagt sogar: So gut ging es mir noch nie". 2 Für diejenigen, die sich bei mir meldeten, galt das keineswegs.
Kein Mut zur Familiengründung
Eine Frau schrieb mir: "Ich bin 40 Jahre alt und frage mich schon lange, warum ich so verunsichert durch die Welt laufe. Ich habe eine gute Ausbildung, traue mir aber nichts zu. Wenn ich mich bewerben soll, bekomme ich Panik." Ein Mann gleichen Alters teilte mit, er sei zwar beruflich äußerst erfolgreich und auch risikobereit, habe aber nicht den Mut zur Familiengründung - seine beiden Geschwister auch nicht. Für seine Eltern werde es wohl keine Enkel geben. In beiden Fällen wurden die Kindheiten der Eltern skizziert. Sie deckten sich im Wesentlichen mit den Geschichten in meinem Kriegskinderbuch.
Zunehmend melden sich heute Kriegsenkel zu Wort. In dem Theaterstück "Risiken und Nebenwirkungen" von Klaus Fehling, Jahrgang 1969, fand ich die Beziehung eines Kriegsenkels zu seiner Kriegskind-Mutter thematisiert. Tochter Sigrid kam nicht zu einem eigenen Leben, denn sie ließ sich von ihrer 70-jährigen Mutter Anni geradezu aussaugen. Als die Tochter sagte: "Sorgen macht sich Anni gern, aber immer nur um sich selbst", kam aus dem Publikum ein zustimmendes Lachen. Hier saßen überwiegend die Kriegsenkel. Wie ich nach der Vorstellung im Osnabrücker Emma-Theater von den Schauspielerinnen erfuhr, handelt es sich um ein Stück mit hohem Wiedererkennungswert. Mutter Anni sorgt sich nicht um andere, sie eignet sich, wie ihre Tochter weiß, nur deren Missgeschicke an.
Sigrid: Mir hat einer mein Handy geklaut. So ein Rudel Rumänenkinder. Im Café. Vom Tisch im Vorbeigehen. Die können echt schnell laufen. Sie ist fünf Tage nicht vor die Tür gegangen, nachdem ich ihr davon erzähl

Rezension
"... In 14 spannenden Fallbeispielen legt Bode nun dar, wie die Beziehung zu ihren Eltern und das Schweigen über den Krieg diese Generation prägte." (emotion, 4/2009)




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