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Der Freud Komplex - Eine Geschichte der Psychoanalyse in Deutschland, Anthony D. Kauders
Der Freud Komplex - Eine Geschichte der Psychoanalyse in Deutschland, Anthony D. Kauders


938 819    Anthony D. Kauders


Der Freud Komplex - Eine Geschichte der Psychoanalyse in Deutschland


Kauders legt in seinem Buch die Deutschen auf die Couch: Wie haben sie auf Freud und seine Ideen reagiert? Was verraten die Reaktionen über ihr Verhältnis zur Sexualität, zur Gewalt und die Vorstellungen vom »bürgerlichen Ich«, von Ohnmacht und Selbstbestimmung? Und wie haben sich die Einstellungen zur Psychoanalyse im Verlauf des 20. Jahrhunderts verändert? Der Autor zeigt auf verblüffende Weise, wie wir anhand der Auseinandersetzung mit Freud die Ideale und Utopien, die Ängste und Hoffnungen der deutschen Gesellschaft rekonstruieren können. Ein überraschendes Sittengemälde und ein ebenso faszinierendes wie abgründiges Panorama der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts.


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Preis € 23,99
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Weitere Titel von Anthony D. Kauders

Daten
399 Seiten, Format 14 x 22 cm, gebunden. (Berlin, 2014)

Beschreibung
Mit Sigmund Freud lässt sich das 20. Jahrhundert erzählen: Er war der Erforscher des Unbewussten, ein Bürgerschreck, dessen Lehren über Verdrängung, Neurosen und die Macht der Träume unseren Blick auf das menschliche Dasein verändert haben. Nirgendwo wurde seine Lehre so heftig diskutiert wie in Deutschland.
Die einen feierten Freud als Befreier von bürgerlichen Moralvorstellungen, die anderen beklagten seine Lehre als rationales Aufklärungsprojekt, das der deutschen Seele zutiefst fremd sei.
Anthony D. Kauders legt in seinem Buch die Deutschen auf die Couch: Wie haben sie auf Freud und seine Ideen reagiert? Was verraten die Reaktionen über ihr Verhältnis zur Sexualität, zur Gewalt und die Vorstellungen vom "bürgerlichen Ich", von Ohnmacht und Selbstbestimmung? Und wie haben sich die Einstellungen zur Psychoanalyse im Verlauf des 20. Jahrhunderts verändert?
Der Autor zeigt auf verblüffende Weise, wie wir anhand der Auseinandersetzung mit Freud die Ideale und Utopien, die Ängste und Hoffnungen der deutschen Gesellschaft rekonstruieren können. Ein überraschendes Sittengemälde und ein ebenso faszinierendes wie abgründiges Panorama der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Autorenporträt
Anthony D. Kauders, geboren 1967 in Zürich, studierte Geschichte an der London School of Economics und der Universität Oxford. Forschungs- und Lehrtätigkeiten führten ihn an die Universitäten Tel Aviv, Jerusalem und München. Zurzeit unterrichtet er neuere europäische Geschichte an der Keele University in England.

Leseprobe
"1
1913: Sexualität
Ein Jahr vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs gärt es im Deutschen Kaiserreich. Seit einigen Monaten sind die Sozialdemokraten stärkste Fraktion im Reichstag, was von konservativer Seite mit Argwohn beobachtet wird. Zwischen Deutschland und Großbritannien nehmen die Spannungen zu, nicht zuletzt wegen der Aufrüstung der deutschen Flotte. Gleichzeitig kommt das Militär durch Willkürakte in Verruf, was zum ersten Missbilligungsvotum gegen einen deutschen Reichskanzler führt. In Berlin gründet Rudolf Steiner die Anthroposophische Gesellschaft. Else Lasker-Schüler und Gottfried Benn verlieben sich, die Künstlergruppe Die Brücke löst sich auf. 1913 findet auch ein weniger spektakuläres Ereignis statt, das aber nicht minder repräsentativ für die Zeit ist. In Breslau versammeln sich die Mitglieder des Deutschen Vereins für Psychiatrie, um ihre Jahresversammlung abzuhalten. Berühmte Forscherpersönlichkeiten kommen in der schlesischen Stadt zusammen, darunter Alois Alzheimer, Karl Bonhoeffer, Emil Kraepelin und Robert Gaupp. Das Thema des ersten Tages gilt einem Mann, der zu diesem Zeitpunkt weit davon entfernt ist, eine Legende zu sein. Das Interesse an Sigmund Freuds Psychoanalyse zielt weder auf eine etablierte Wissenschaft noch auf einen anerkannten Wissenschaftler. Freud steht weder isoliert da, wie er selbst behauptete, noch ist er einer von vielen, wie spätere Kritiker glauben lassen wollen. Trotzdem ist Freud im Jahr 1913 in aller Munde.
Im späten Kaiserreich befassten sich ganz unterschiedliche Gruppen mit der Psychoanalyse, denen es um ganz unterschiedliche Fragen ging. Die Psychiater reagierten als Psychiater, die Jugendbewegten als Jugendbewegte, die Literaten als Literaten. Diejenigen, die sich etwas von der Psychoanalyse erhofften, pickten sich die Teile, die ihnen zusagten heraus ob nun Wahrhaftigkeit , Sublimierung oder Sexualität . Freuds Psychoanalyse war vor allem in einer Hinsicht verlockend: Sie versprach Schülern, Studenten, Bohemiens, Anarchisten und Expressionisten die Aussicht, sich von ( unbewussten ) Autoritätsbildern zu lösen, seien diese in der Familie, in Bildungseinrichtungen oder in der Politik zu finden. Damit gab sie dem Wunsch Ausdruck, Individualität und Authentizität wiederherzustellen in einer Welt voller heuchlerischer , ungesunder und repressiver Regeln. Verlockend war sie aber auch aus einem weiteren Grund: Da die Wissenschaft über viel Prestige verfügte, konnte jeder, der die Psychoanalyse für sich entdeckte, auch an dieser Welt teilhaben. Franz Wedekind und August Strindberg hatten schon gegen die Welt der Väter aufbegehrt, nun versprach Freud dasselbe im wissenschaftlichen Gewand. Dass sich bei Freud Subjektivität und Objektivität , Hermeneutik und Naturwissenschaft nicht feindlich gegenüberstanden, machte für viele übrigens bis heute seinen Reiz aus.
Diese mangelnde Abgrenzung war für andere jedoch Grund genug, die Psychoanalyse zurückzuweisen. Psychiater, Psychologen und Neurologen meinten, dass das eine (Deutung) mit dem anderen (Experiment) nichts zu tun habe. Ihnen war es relativ egal, ob bestimmte gesellschaftliche Konventionen dem Individuum schadeten oder nicht, solange ihr Wissenschaftsverständnis nicht infrage gestellt wurde. Nicht die von vielen mit der Psychoanalyse assoziierte Wahrhaftigkeit (in der Frage der Sexualität) war das Problem, sondern Freuds falsches Verständnis von der Wahrheit. So mussten sie seinen neuen Denkstil ablehnen, wollten sie nicht Teile ihres Denkstils aufgeben.
Freud war Wissenschaftler, also beginnt die Rezeption der Psychoanalyse nicht in den Teestuben Berlins oder den Salons Münchens. Aber auch auf den Fluren manch einer Universität oder manch einer psychiatrischer Klinik ging es verhältnismäßig hoch her, wenn das Thema Freud anstand. So nüchtern die wissenschaftliche Auseinandersetzung oft erscheinen mochte, bei den Reaktionen auf die Psychoanalyse ging es um nichts Geringeres als d




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